Zurzeit überschlagen sich Presseagenturen und Hersteller wieder mit Mails an Foodblogger. Die meisten lese ich gar nicht, weil einfach zu viel reinkommt und ich eigentlich ganz in Ruhe vor mich hinkochen, -backen und darüber bloggen will und fertig.
Manchmal frage ich mich auch, was die Anfragen mit mir und meinem Blog zu tun haben. Massenmails von Praktikanten sind meist als solche erkennbar, und mein Blog qualifiziert mich nicht zur Testerin manch konventioneller Massenware von Industriekonzernen oder gar zu Berichten über Treppenlifte, denke ich.
Da ich kürzlich sowieso beruflich nach Berlin musste, habe ich nach kurzer Überlegung jedoch eine professionell-sympathisch formulierte Einladung zu einem italienischen Abend angenommen.
"Exklusiver Abend mit traditionsreichen Produkten der italienischen Esskultur" nannte sich das, "neu interpretiert durch die Starköchin Sarah Wiener" und es galt als Branchen-Event anlässlich der Messe
Fruit Logistica, die zeitgleich in Berlin stattfand.
Hintergrund für die Aktion ist die Förderung italienischer Obst- und Gemüseprodukte in Deutschland.
Ob die es wirklich nötig hat, habe ich mich kurz gefragt... Die meisten meiner Bekannten (und ich sowieso) mögen italienisches Essen und italienische Produkte. Italien ist der drittgrößte Obst- und Gemüselieferant Deutschlands, nach Spanien und den Niederlanden (und ich schätze mal, China holt hier auf). Das Importvolumen beträgt 5,5 Milliarden Euro und Deutschland ist damit an erster Stelle der Exporte italienischer Agrarprodukte. Noch mehr wird im Land selbst konsumiert.

Neben den bekannten Produkten wie Wein, Tomaten, Olivenöl, Parmesan, Gorgonzola, Campari, Parmaschinken, Salami, usw. kaufe ich auch sehr gerne Obst und Gemüse, das man oft in sehr guter Qualität bekommt. Das Foto stammt aus der Empfangshalle: Da war solch eine Menge an Spezialitäten aufgebaut, dass man sofort Appetit bekam!
Veranstaltet wurde das Event von der
Italienischen Handelskammer für Deutschland e.V. (ITKAM, zugehöriges
Blog) und dem Verband der Italienischen Landwirtschaft namens
Confagricoltura.
Peggy, die ich von
diesem Event kenne, hat mich in meinem Hotel abgeholt, sogar noch ein
Produkt ihrer Küche vorbeigebracht (danke!), und wir sind gemeinsam durch die Kälte zur italienischen Botschaft marschiert. Wir kamen auch gut durch die Gesichtskontrolle, ohne einen Personalausweis vorzeigen zu müssen. Mein Namensschild hatten sie vergessen zu bedrucken, aber es ging problemlos, von Hand ein neues auszuschreiben.

Der Botschafter Elio Menzione als Schirmherr der Veranstaltung hat es sich natürlich nicht nehmen lassen, einleitende Worte zu sprechen und die Gäste aus nah und fern zu begrüßen.
Danach folgten Beiträge der Präsidenten von Confagricoltura und der ITKAM, Mario Guidi und Emanuele Gatti. Alles auf italienisch, das wurde dann übersetzt.

Allgemein war es schwer zu verstehen, weil viele Gespräche zwischen Leuten, die sich hier trafen und viel zu erzählen hatten, stattfanden. Auch wir trafen eine Bekannte, die ich bisher nur virtuell kannte: Katharina von
Valentinas Kochbuch stoß zu uns.
Wir drei Bloggerinnen wurden als Journalisten eingeladen, daneben waren Großhändler und Vertreter von Unternehmen beider Länder dabei, insgesamt mehr als 300 Gäste. Entsprechend voll war es. Ich wurde an dem Abend übrigens häufiger auf italienisch als auf deutsch angesprochen. :-)

Wunderschön ist der Festsaal der Botschaft, die übrigens eine wechselvolle
Geschichte durchlebte, seit sie in den 1930ern im Stil eines italienischen Renaissance-Palazzos erbaut wurde. Albert Speer hatte am Tiergartenrand ein neues Diplomatenviertel geplant, in dem die damals mit Deutschland politisch befreundeten Länder große Botschaftspaläste verwirklichen durften. Die japanische Botschaft ist direkt nebenan. 1942 wurde das Gebäude von Bomben getroffen. Nach der Wiedervereinigung aufwändig restauriert, ist es heute wirklich beeindruckend.
Nach den Ansprachen ging es dann los mit der Aktion in der Showküche.
Sarah Wiener holte sich auf eine sympathisch-souveräne Art die beiden Herren Präsidenten zum Schnibbeln und an den Herd!

Für dieses Event hatten Sarah Wiener und ihre Helfer spezielle Gerichte aus italienischen Spitzenprodukten kreiert. Ziel der Aktion war es, zu zeigen, dass italienische Zutaten sich hervorragend mit deutscher und internationaler Küche kombinieren lassen.
Vor den Augen der Zuschauer wurde Fenchel auf ihre Art zubereitet, nicht wirklich italienisch, wie sie meinte, aber schön tomatig und lecker, wie ich mich überzeugt habe.
Dazu konnte man sich (nach kurzem Anstehen oder drängeln) luftgetrockneten Schinken aus Norcia und Salami sowie frisches Brot besorgen.
Da die ein bis zwei Pfannen vom Show-Kochen keine 300 Leute satt machen, gab es parallel dazu ein Flying Buffet.
Hier ein Blick auf die Vorspeisen (es war dunkel, nicht alle Fotos sind scharf - und wie immer: Draufklicken, dann wird's größer!):
Ganz links auf den kleinen Tellern zu erkennen eine Mangoldroulade mit Gorgonzola und konfierter Tomate, schmeckte mir sehr gut. Das orangefarbene ist der Fenchel à la Sarah von der Showküchen-Pfanne. In der Mitte Winterliche Blattsalate mit Grana Padano und gebratenen Champignons, rechts Stengelkohlsalat mit geröstetem Holzofenbrot, daneben ein Teller mit Salami und Schinken.
Am Anfang war es schwierig, etwas zu essen zu organisieren, da die Servierkräfte gar nicht so schnell in den Festsaal kamen wie ihre Servierbretter von hungrigen Gästen leergeräumt waren. Im Laufe der Zeit wurde es besser, so dass gegen Ende des Abends dann doch noch alle satt wurden.
Hier ein Blick auf Tellerchen mit den diversen Hauptspeisen:
Schwarzer Reis mit Safransauce und Provolone, daneben Penne mit Artischockengemüse und Pachino-Tomaten, letztere stammen aus dem sonnenverwöhnten Sizilien. Beides so, dass ich öfter davon essen könnte.
Richtig super und eine positive Überraschung war der Dinkelrisotto mit geschmortem Endiviensalat, darüber rote Zwiebeln, rechts im Bild. Nicht so fein, derber und bäuerlicher, aber eine sehr gute Kombination.
Leider bekamen wir die Rezepte nicht, so dass es nicht ganz so einfach wird, die Gerichte daheim nachzukochen.
Für das Dessert habe ich ja meist noch Platz und so schaffte ich es doch glatt, nicht nur die Terrine von frischen Früchten der Saison (gibt's in Italien jetzt schon Erdbeeren?) mit Milchreis, sondern auch das winterlichere Sorbet von Kiwi mit Pflaume und Panettone-Auflauf (fast) zu verdrücken.
Die Zeit verging, gegen 23 Uhr leerte sich der Saal und wir sind auch langsam aufgebrochen. Ein Abend mit interessanten Informationen, gutem Essen und anregenden Gesprächen neigte sich dem Ende.
Fazit: Also, falls die italienischen Obst- und Gemüseproduzenten es doch nötig haben, für ihre Produkte Werbung zu machen, dann ist ihnen das allein schon durch den Abend und durch den guten Geschmack ihrer Produkte sehr gut gelungen.

Der Präsident der ITKAM meinte: "Wir sind davon überzeugt, dass Initiativen wie diese zur Verankerung italienischer Qualitätsprodukte, auch wenig bekannter Spezialitäten, in den deutschen Ernährungsgewohnheiten beitragen." Und der Botschafter betonte in seiner Rede das Potential der italienischen Agrarwirtschaft, deren Wert sowohl in der Qualität als auch in der Nachhaltigkeit der Produktionsverfahren liege.
Weil ich für Transparenz bin und für Euch zur Info: Die Einladung beinhaltete das Essen samt gutem Wein, keine Fahrtkosten oder Übernachtung.